Konfigurationsexperten kennen die 150%-BOM in- und auswendig. Aber die wenigsten können auch die beiden anderen Methoden benennen, die es daneben gibt — und wissen, wann welche zum Einsatz kommt.
Subtraktive Konfiguration
Die 150%-BOM ist das Rückgrat der meisten ERP-getriebenen Konfiguration: Man startet mit jeder denkbaren Option und zieht dann ab, was die konkrete Variante nicht braucht. Das ist subtraktive Konfiguration — und wer in Automotive oder Industrieanlagenbau gearbeitet hat, kennt oft nur diese eine Methode.
Vollständige Definition im Glossar
Es gibt aber zwei weitere fundamentale Methoden, und komplexe Produkte brauchen oft alle drei.
Additive Konfiguration
Man beginnt bei null und kombiniert standardisierte Module über definierte Schnittstellen — Lego-Logik: Der Baustein selbst ist trivial, die Schnittstelle ist entscheidend.
Parametrische Konfiguration
Hier wird gar keine Teileauswahl getroffen. Stattdessen definiert man das Produkt über Parameter — Abmessungen, Kapazitäten, Geometrie — und lässt die konkreten Werte die Form bestimmen. Genau das ist die Grundlage für Design-Automatisierung.
Ein Produkt, mehrere Methoden
Ein einzelnes Produkt kann durchaus mehr als eine Methode nutzen: additiv für seine Module, parametrisch für längenverstellbare Teile, subtraktiv für die ERP-seitige Bestelllogik.
Ich skizziere gerade außerdem eine mögliche vierte Methode, die nicht sauber in eine dieser drei passt. Mehr dazu in einem zukünftigen Beitrag.
Subtraktive, additive und parametrische Konfiguration sind keine konkurrierenden Ansätze, sondern ein Werkzeugkasten. Komplexe Produkte nutzen oft alle drei gleichzeitig — je nachdem, welcher Produktbereich gerade modelliert wird.