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Could we model Differences rather than the Maximum? – Julian Weyer, variantmanagement.com
Variantenmanagement

Delta-Konfiguration statt Max-BOM. Gibt das Sinn?

Die meisten Konfigurationsmethoden setzen auf eine Maximal-Ausprägung (150% BOM) und filtern dann auf 100%. Was wäre wenn man stattdessen das Delta zu einer Basisvariante modelliert?

Julian Weyer
Julian Weyer 20. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Variantenmanagement ·Variantenmanagement ·Konfigurationsmanagement ·3 Min. Lesezeit

Die meisten bekannten Konfiguratoren setzen als Basis auf eine Maximal-Ausprägung (“Maximal-Stückliste, 150%-BOM”) und filtern dann über ein Regelwerk auf eine konkrete Variante herunter. Aber was wäre, wenn man stattdessen das Delta zu einer Basis-Variante modelliert?

Fragt man Ingenieure, wie sie eine Variante beschreiben würden, kommt lange vor der fertigen Max-BOM meist eine ganz andere Antwort: „die Standardmaschine, plus verstärkter Rahmen und modifizierter Kühlkreislauf.” Eine Basis, plus das, was sich geändert hat.

So denken die PLM-Tools, die ich kenne, aber nicht. Sie legen das Maximum als Datenmodell an, und die Differenz entsteht erst im Nachhinein, wenn dieses Maximum über ein Regelwerk auf eine 100%-Stückliste heruntergefiltert wird. Das ist kein Showstopper — aber jede Übersetzung vom gedachten Modell (“Basis plus Änderung”) ins tatsächliche Datenmodell (“Maximum minus Filter”) kostet Effizienz und schafft Raum für Fehler.

Vorbild: Delta-Oriented Programming

In der Softwareentwicklung gibt es dafür einen akademischen Ansatz, bei dem sich einiges abschauen lässt: Delta-Oriented Programming. Statt alles in einer Maximalvariante abzubilden, gibt es eine Baseline plus benannte Deltas, die etwas hinzufügen, entfernen oder verändern. Auch dort hat sich das Prinzip nie flächendeckend durchgesetzt — die meiste Software läuft weiterhin über Feature-Flags. Aber die Differenz ließ sich dadurch benennen und versionieren, statt sie in einem Flag zu verstecken.

Was das für die Tool-Landschaft bedeuten könnte

CONTACT Software, PTC, Siemens Digital Industries Software, Dassault Systèmes, SAP: Jeder dieser Anbieter könnte die Differenz als eigenständiges Datenobjekt in den Werkzeugkasten der Produktkonfiguration aufnehmen — als Alternative für alle Fälle, in denen Ingenieure ohnehin schon in Deltas denken. Feature-Modelle und Max-BOMs erledigen für den Rest weiterhin ihren Job.

Die ausführliche Argumentation dazu — inklusive der Methode im Detail und der Frage, wo die Übertragung von Software auf Hardware an ihre Grenzen stößt — findet sich in meinem Artikel auf variantmanagement.com.

Fazit

Die meisten Konfigurationsmethoden modellieren das Maximum und leiten die Differenz erst daraus ab. Delta-Oriented Programming zeigt eine Alternative: Die Differenz selbst wird zum benannten, versionierten Datenobjekt. Kein Ersatz für Feature-Modelle und Max-BOMs — aber ein zusätzliches Werkzeug für alle Fälle, in denen Ingenieure ohnehin in Deltas denken.