„Wir brauchen Traceability” — diesen Satz höre ich in Projekten regelmäßig. Was damit gemeint ist, unterscheidet sich aber oft erheblich. Geht es um die Nachweisbarkeit gegenüber einer Zertifizierungsstelle? Um die Rückverfolgbarkeit von Anforderungen bis zum Test? Um Änderungsnachvollziehbarkeit über den gesamten Produktlebenszyklus? Oder schlicht darum zu wissen, welche Version eines Dokuments zu welchem Produktstand gehört?
Das alles ist Traceability — aber eben nicht dasselbe.
Traceability ist nicht gleich Traceability
Nicht jedes Produkt und nicht jedes Unternehmen braucht jede Art der Rückverfolgbarkeit. Ein Beatmungsgerät für den Krankenhauseinsatz muss sehr strenge Traceability-Anforderungen erfüllen — Menschenleben hängen davon ab, und regulatorische Stellen prüfen das genau. Ein Akkuschrauber aus dem Baumarkt unterliegt anderen Anforderungen.
Das klingt offensichtlich. In der Praxis wird daraus aber selten eine strukturierte Anforderungsanalyse gemacht. Stattdessen wird oft entweder zu viel Traceability angestrebt — mit entsprechendem Aufwand und mäßigem Nutzen — oder zu wenig, was spätestens bei einer Änderung oder Zertifizierung zum Problem wird.
Der Traceability Navigator
Ich habe deshalb einen „Traceability Navigator” entwickelt — eine Übersicht entlang des Produktlebenszyklus, die die verschiedenen Kreuzungspunkte zeigt, an denen Traceability relevant sein kann.

Der Navigator funktioniert als Strukturierungshilfe: Man geht die verschiedenen Punkte durch und entscheidet jeweils, was die richtige und notwendige Nachvollziehbarkeit für das eigene Produkt ist. Das Ergebnis ist kein generisches „wir machen alles”, sondern ein passgenaues Traceability-Konzept.
Vom Konzept zur Implementierung
Wenn klar ist, welche Traceability gebraucht wird, stellt sich die nächste Frage: Wie bilden wir das in der PLM-Toolchain ab?
Der Kniff ist natürlich, auf die passenden Lösungsansätze zu kommen. Die PLM-Architekturen in den meisten Unternehmen sind über Jahre gewachsen. Die Informationen, die nachvollziehbar sein sollen, liegen über viele Tools verteilt — PLM, ALM, ERP, Dokumentenmanagement. Und sie liegen oft nicht in der Datenqualität vor, die eindeutige Traceability erfordert.
Für jeden Punkt im Navigator lässt sich ein passender Lösungsansatz beschreiben — welches Tool trägt was bei, wo brauchen wir Schnittstellen, wo muss die Datenqualität verbessert werden. Der Navigator dient dabei als gemeinsame Diskussionsgrundlage für Fachseite und IT.
Traceability-Anforderungen sind produktspezifisch — ein generisches „wir brauchen Traceability” führt entweder zu Überengineering oder zu blinden Flecken. Der Navigator hilft, die richtigen Anforderungen zu identifizieren und dann strukturiert in die bestehende Tool-Landschaft zu übersetzen.
Wer mehr über den Traceability Navigator erfahren möchte oder konkrete Fragen zur Implementierung hat, kann mich gerne ansprechen.