83 Prozent der Firmen fürchten den geopolitischen Cloud-Kill-Switch. 14 Prozent bereiten sich ernsthaft darauf vor.
Gerade neulich ist mir ein neuer Netzfund untergekommen: „Digitale Souveränität – Vom Risiko zur Resilienz”, eine Studie von Lünendonk & Hossenfelder Marktforschung.
Zwei der Zahlen, die darin ins Auge springen: 83 % der Unternehmen sehen den geopolitischen Kill-Switch als relevantes Risiko. Und 57 % haben eine Exit-Strategie.
57 Prozent? Ernsthaft? Kommt mir etwas optimistisch vor. Ein Blick ins Detail der Studie zeigt: Tatsächlich stimmen gerade einmal 14 % der Befragten VOLL zu, dass eine solche Strategie nebst Maßnahmenplänen existiert. Die anderen 43 % haben vielleicht mal darüber nachgedacht und ein Memo geschrieben.
Ich halte bekanntlich nicht viel von Schwarzmalerei. Und tatsächlich glaube — hoffe? — ich auch nicht, dass das Risiko, dass morgen irgendjemand den Kill-Switch drückt, riesengroß ist. Aber erstens: Was ist noch „gewiss” in diesen Tagen? Und zweitens: Im Risikomanagement sollte nicht nur das wahrscheinliche Risiko gewürdigt werden, sondern auch das Unwahrscheinliche — wenn die Auswirkungen fatal wären.
Und man stelle sich mal vor: Ein deutscher Maschinenbauer käme von heute auf morgen nicht mehr an seine Konstruktionsdaten im PLM. An Berechnungen. Simulationsergebnisse. Oder Software-Specs im ALM-Tool. Das ist existenzgefährdend.
Und eine Exit-Strategie aus einem Cloud-Tool ist nichts, was man mal eben über Nacht aus dem Ärmel schüttelt — schon gar nicht, wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist.
Mein Appell: Prüft, was das passende Maß an Souveränität für euer Unternehmen ist. Lasst euch nicht von Schwarzmalerei leiten, aber werdet euch der Risiken bewusst. Und arbeitet dann eine belastbare Strategie aus, um das identifizierte Souveränitäts-Gap zu mitigieren.
Quelle: Lünendonk & Hossenfelder – Digitale Souveränität (Danke an die Verfasser Mario Zillmann und Tobias Ganowski für eine wirklich aufschlussreiche Studie.)
83 Prozent sehen das Risiko, aber nur 14 Prozent haben wirklich vorgesorgt. Genau in dieser Lücke zwischen Risikobewusstsein und Handlungsfähigkeit liegt die eigentliche Aufgabe für PLM/ALM-Souveränität: nicht Panik, sondern eine belastbare, rechtzeitig erarbeitete Exit-Strategie.