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Variantenmanagement

Konfiguration: Warum Teams im Projekt aneinander vorbeiereden

„Konfiguration“ bedeutet in Projekten drei verschiedene Dinge — gleichzeitig. Ich zeige, wie man Begriffskonfusion in Meetings erkennt und auflöst.

Julian Weyer
Julian Weyer28. Januar 2025 · 3 Min. Lesezeit
Warum reden wir so oft aneinander vorbei, wenn es um Konfiguration geht?

Es gibt Begriffe, bei denen alle nicken und niemand dasselbe meint. „Konfiguration” ist einer davon.

Ich habe das in Projekten immer wieder erlebt: Man diskutiert, kommt irgendwie nicht weiter, und das Gefühl schleicht sich ein, dass die anderen das Thema einfach nicht verstehen. Dabei ist das Problem oft kein inhaltliches, sondern ein sprachliches — man redet vom selben Wort, aber von verschiedenen Dingen.

Drei Bedeutungen, ein Wort

Das Tückische am Begriff Konfiguration ist, dass er in einem typischen Produktentwicklungsprojekt gleich drei verschiedene Bedeutungen haben kann:

Variantenkonfiguration — der Kunde „konfiguriert” sein Produkt, indem er aus verschiedenen Optionen wählt: Farbe, Ausstattung, Antrieb. Das kennen die meisten aus dem Alltag. Im B2B-Umfeld passiert dasselbe über CPQ-Systeme (Configure, Price, Quote).

Konfigurationsmanagement — hier bezeichnet „Konfiguration” die Gesamtheit aller Artefakte, die zusammen den aktuell gültigen Produktstand beschreiben: Anforderungen, Zeichnungen, Spezifikationen, Freigaben. Eine Baseline ist dann eine Art Momentaufnahme dieser Konfiguration zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Parametrisierung — wenn ich mein CAD-System „konfiguriere” oder einem smarten Produkt die richtigen Einstellwerte gebe, meine ich eigentlich Parametrisierung. Umgangssprachlich fällt das trotzdem unter „konfigurieren”.

Alle drei Bedeutungen sind im Projektalltag präsent. Manchmal sogar gleichzeitig. Ein ausführlicheres Stück über die Unterschiede und ihre Gemeinsamkeiten findet sich hier.

Wie Begriffskonfusion entsteht

Das Problem entsteht nicht durch Unwissenheit. Die meisten Menschen, die über Konfiguration sprechen, wissen schon, was sie meinen — sie gehen nur davon aus, dass das Gegenüber dasselbe meint.

Ingenieure denken bei „Konfiguration” oft an Konfigurationsmanagement. Vertriebsmenschen denken an den Konfigurator. IT-Kollegen denken an Einstellparameter. Alle drei sitzen im selben Meeting, sprechen dasselbe Wort — und diskutieren aneinander vorbei, ohne es zu merken.

Das Symptom: Die Diskussion dreht sich im Kreis, Argumente prallen ab, jemand hat das Gefühl, dass die anderen „es nicht verstehen”. Dabei verstehen alle etwas — nur nicht dasselbe.

Was hilft

Begriffskonfusion löst sich nicht von selbst. Aber sie lässt sich vermeiden oder schnell auflösen, wenn man ein paar einfache Kniffe kennt:

Selbstreflexion zuerst. Bevor man in ein Meeting geht, in dem Konfiguration ein Thema ist: Welche Bedeutung meine ich gerade? Das klingt trivial, hilft aber enorm beim Zuhören.

Aktiv nachfragen. „Was meinst du genau mit Konfiguration — geht es dir um den Konfigurator im Vertrieb, oder um das Konfigurationsmanagement in der Entwicklung?” Das ist keine dumme Frage. Es ist eine professionelle.

Mit einem Beispiel arbeiten. Abstrakte Begriffsklärungen enden oft im Philosophieren. Ein konkretes Beispiel hilft sofort: „Meinst du, dass der Kunde Farbe und Ausstattung wählt — oder meinst du, dass wir eine Baseline mit allen Entwicklungsartefakten ablegen?”

Ein gemeinsames Glossar. In längeren Projekten lohnt es sich, Begriffe einmal schriftlich festzuhalten. Nicht als akademische Übung, sondern als Arbeitsinstrument. Wenn „Konfiguration” im Projektglossar klar definiert ist, fällt das Aneinandervorbeireden deutlich schwerer.

Kurzfassung

Konfiguration bedeutet je nach Kontext verschiedene Dinge — und in Projekten treffen diese Kontexte regelmäßig aufeinander. Der erste Schritt zur besseren Kommunikation ist, sich dieser Mehrdeutigkeit bewusst zu sein — und aktiv nachzufragen, wenn unklar ist, was gemeint ist.

Als Beispiel könnt ihr natürlich auch gern einfach diese Seite verwenden und verlinken.

Habt ihr eine ähnliche Erfahrung gemacht? Welcher Begriff hat in eurem Unternehmen für die meiste Verwirrung gesorgt? Schreibt mir gerne.